Eventbericht – Hengstschau auf dem Burghof Brodhecker

Ein Ende mit Schrecken

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Kaum war ich auf einer Hengstschau, schon stand die nächste im Kalender! Diesmal gings auf den Burghof Brodhecker, den ich von Turnieren und einer Verkaufsschau kenne. Die Hengste auf dem Hof hatte ich bisher noch nie gesehen und wollte die Gelegenheit dafür nutzen.

Endlich war es an dem Sonntag vorbei mit der Eiseskälte und bei schönstem Sonnenschein machte ich mich auf den Weg. Der Hof liegt mitten im Feld und zum Glück fuhren noch andere Leute dahin, sonst wäre ich auf den vielen Feldwegen prompt in die falsche Richtung gefahren, weil mein Navi nur einen Punkt im Nirvana anzeigte.
Die Halle war schon recht voll mit Zuschauern, nicht ganz so viele wie auf dem Tannenhof, doch es waren sehr viel mehr Leute da, als bei den Verkaufstagen. Ich holte mir gleich zu Beginn wieder den Hengstkatalog, um mir einen Überblick zu verschaffen.

Der Burghof hält Hengste für die verschiedenen Disziplinen, also Springen, Dressur und Vielseitigkeit. Ganz neu dabei ist darunter ein im Dressursport hoch erfolgreicher Ponyhengst, den ich beim Festhallenreitturnier bei der Verleihung des Goldenen Reitabzeichens an seine Reiterin gesehen hatte. Das ist wirklich eine Besonderheit!

Die Veranstaltung begann mit der Einführungsrede von Volker Brodhecker und die Zuschauer wurden auf die lange Historie des Burghofes und die vielseitige Ausrichtung hingewiesen. Denn neben der Zucht, der Landwirtschaft und dem Turnierreiten, gibt es eine Reitschule. 50 Jahre lang existiert der Familienbetrieb, leider ist der Gründer Heinz Brodhecker letztes Jahr gestorben und wir standen alle zu seinem Gedenken für eine Schweigeminute auf. So schnell kann es passieren, hatte ich ihn gerade erst letzten Jahr in einem kurzen Gespräch kennengelernt. Trotz der traurigen Zeit geht das Leben auf dem Hof weiter und die Familie macht mit ihrer gesamten Pferdebegeisterung natürlich weiter und in 2018 stehen wieder viele Termine auf dem Plan.

Die Zuchtsaison steht ebenfalls in den Startlöchern bzw. ist mit den ersten Geburten voll im Gange und die Züchter stehen genau jetzt vor der Entscheidung ihre Hengste auszuwählen. Um die hiesige Auswahl vorzuführen, wurde mit einem Freispringen von zwei jungen Hengsten begonnen und gleich der erste traf voll meinen Geschmack. Er war dunkelbraun, nicht zu groß, kompakter Körperbau, ja ich stehe ziemlich auf Springhengste des modernen leichten Typs, man muss sich nur mein eigenes Pferd ansehen. Der erste Hengst hieß Dobermann und ist ein vierjähriger Holsteiner, der frisch von der Körung kam, dort hatte er eine sehr gute Springnote bekommen. Sein Vater Diarado ist sehr bekannt, selbst mir, die ich mich bei den Holsteinern ziemlich wenig auskenne, hatte den Namen schon mal gehört. Beim Freispringen zeigte der hübsche Kerl etwas Angst vor den Blumenbukets in der Hallenmitte, doch ingesamt war er im Vergleich zu anderen Pferden ziemlich relaxt.
Der zweite Hengst war gerade mal erst dreijährig und hat noch keinen Namen. In N.N. fließt ebenfalls Holsteinerblut und die Vorfahren sind Colestus und Carrico, die mir leider gar nichts sagen, der Vater vom Hengstvater namens Cornet Obolensky ist mir hingegen sehr wohl ein Begriff. Bereits der zehnte gekörte Nachkomme ist es von Colestus. Er sprang ebenfalls mit tollem Vermögen, doch wo die Liebe hinfällt, war der erste mein Favorit.

An der Hand, mit Abschwitzdecke und Bandagen an den Beinen, wurde als dritter Deckhengst Galant de Semilly vorgestellt. Bereits 24 Jahre alt, noch immer mit top Samen, machte er einen sehr ruhigen unauffälligen Eindruck, obwohl er selbst ein erfolgreicher Springhengst der Sonderklasse ist und deswegen erst spät in die Zucht kam, eben nach der Sportkarriere. Wer französisches Blut will, ist bei ihm richtig.
Der vierte Hengst in der Reithalle, wieder an der Hand gezeigt, war ein imposanter Schimmel namens Cambridge, der mit dem Sohn Phillip zur Überraschung vieler, bei einem Wettbewerb als einzigster eine 2,10 m hohe Mauer gesprungen ist und damit sein unheimliches Vermögen bewies. Er wurde sozusagen als erfolgreiches „Kinderreitpferd“ der Söhne beschrieben, wobei damit natürlich kein Ponyreiten gemeint ist, sondern Springen auf S-Niveau. Leider wurde er nicht am Sprung gezeigt.
Passend kam im Anschluss ein erst eine Woche altes Fohlen von ihm rein, dessen Mutter von Galant de Semilly abstammt. Der Auftritt wurde nur kurz gehalten.

Der dritte Hengst an der Hand zeigte dann ungewollt einen Sprung, indem er aus dem Stand die Absperrung überspringen wollte und sie niederriss. Es war der Ponyhengst Macchiato de Lux, ein schöner auffälliger Falbe. Wie heißt es so schön, he has talent but needs direction! Gerade erst angeritten, wird das mit dem vorbildlichen Auftritt bestimmt in Zukunft klappen.

imageDanach gab es eine Umbaupause, um die jungen Springhengste unterm Sattel zu zeigen. Nochmal kam Dobermann rein und absolvierte sehr gelassen alle Sprünge, wobei er sich auch mal übersprang. Das zweite Pferd, der Hannoveraner Chilano Blue war hingegen aufgekratzt und schwitze ziemlich, da ihn die ganze Atmosphäre wohl sehr aufregte. Als Züchter wäre ich in so einer Situation echt unschlüssig, wie das zu bewerten ist. Andererseits betrachtet man nicht nur den Hengst, sondern muss sich fragen, welcher passt besser zur Stute. Ist die ein aufgedrehter Typ passt der ruhig wirkende Dobermann besser, ist sie eine Schlaftablette wäre ein Hengst wie Chilano Blue die richtige Wahl. Der direkte Vergleich hier bei der Hengstschau gibt bestimmt den ein oder anderen Ausschlag, wenn man nicht nur anhand der Abstammung, Körperbau und Fotos bzw. Videos entscheiden will.

imageAls weitere Springpferdeoption wurde danach der Halbblüter Ikarus Son von Jörg Kurbel vorgestellt, u.a. über einem Bürstensprung mit ganz viel Josera Werbung mittels Banner und Futtersäcken daneben. Die Moderation sagte, viele Züchter wollen gerne blütige Pferde, doch keine reinen Vollblüter nutzen und daher probieren sie mit dieser Offerte den Wunsch zu erfüllen. Ich denk dann immer wie schade es ist, dass man bei den Trakehnern keine Veredler sucht, aber das ist ja ne ganz andere Geschichte.

Zur Aufheiterung des Publikums kamen die Kaltblüter Jule und Dora rein, die als witzige Showeinlage einen Wettkampf Pferd gegen eine mehr als zehnköpfige körperlich starke Pferdezüchterschaft für sich entschieden.
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Nachdem die Veranstaltung bisher sehr springlastig gewesen war, kamen nun die Dressurpferde ran. Die beiden Hengste De Sandro und Flashback liefen zusammen vor und zeigten ihre tollen Gänge. Ich konnte mich nicht so recht entscheiden, wer mir nun besser gefallen sollte, haben beide namhafte und im großen Sport erfolgreiche Vorfahren und sehen schick aus. In so einem Fall wäre vermutlich ein intensiveres Gespräch mit den Reitern hilfreich, um mehr zu erfahren.
Eine Entscheidungshilfe bot eventuell das von De Sandro gezeugte Fohlen, welches mit seiner Mutter Ariane die Zuschauer entzückte, denn es war ausgesprochen süß mit seinen drei Wochen. Bei der Stute wurde wieder einmal die lange Züchterhistorie in den Fokus gerückt, hatte tatsächlich die ganze Familie auf den Vorfahren reiten gelernt und die Stute hiermit das 12. Fohlen gebracht.

Anschließend wurden wieder Hindernisse aufgebaut und zwei 5-jährige Springhengste mit den Namen Chigaru und Catanzano zeigten ihr Vermögen. Beide stehen nicht nur dem spezialisierten Springpferdezüchter zur Wahl, sondern eigentlich jedem, der ein vielseitiges Reitpferd plant, denn die Abstammung, Gänge und Rittigkeit sprechen besonders beim Schimmel Catanzano für eine Doppelveranlagung.

Wer nicht selbst züchten will, der kann auf dem Burghof auch ausgewachsene Reitpferde kaufen. Um einen Vorgeschmack auf die im Mai stattfindende Verkaufsschau zu bieten, sahen wir zwei Verkaufspferde namens Dacapo und Skywalker unterm Sattel. Gegen die schicken Hengste kamen sie natürlich nicht an und derzeit suche ich kein neues Reitpferd, sondern hoffe mehr, dass meiner wieder fit wird.

 

Als Sahnehäubchen für Dressurfreunde kam dann der Ponyhengst Vom Feinsten mit Giulia Gasztecki rein. Ich war beeindruckt von dem kleinen Mann. Wie oft sieht man ein Pony ausgebildet bis zur hohen Dressurklasse? Er zeigte u.a. sehr schön die Passage und ist bereits in S** siegreich und S*** platziert. Nachkommen gibt es bislang keine, denn das bisherige Sportpony ist dieses Jahr das allererste Mal als Deckhengst im Geschäft und zwei Stuten sind wohl schon tragend.

imageUm die Veranstaltung mit Spaß zu beenden, kamen noch mal die beiden Kaltblüter herein, diesmal waren sie vor einen römischen Streitwagen gespannt und rasten durch die Halle. Leider passierte dann etwas, was dem ganzen Nachmittag einen bitteren Nachgeschmack gab. Die eine Stute auf der Innenseite rutschte in der engen Kurve aus und stürzte zu Boden. Eine wahre Katastrophe zum Abschluss, denn das Pferd lahmte und wurde dann nicht ausgespannt, sondern zog noch das Gespann raus. Das war wirklich schief gelaufen und die Zuschauer waren entsetzt.

Das freundliche Angebot noch für ein Getränk auf dem Hof zu bleiben, nahm ich dann nicht mehr wahr, sondern fuhr schnell zum eigenen Pferd in den Stall, drückte ihn ganz lieb, ging noch mit ihm ne Runde an der Hand laufen und war froh darüber, dass er nicht mehr lahmte.

P.S.: Neben meinen Handyschnappschüssen könnt ihr euch auf dem Instagramprofil von Anne-Lena weitere Fotos von den Burghof-Pferden ansehen, die mit ihrer Spiegelreflexkamera weit aus besser gelungen sind als meine. Ich setzte mich zufälligerweise neben sie und ihre Freundin und freue mich sie jetzt persönlich getroffen zu haben. Vielleicht sieht man sich auf der nächsten Hengstschau?!


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2 Gedanken zu “Eventbericht – Hengstschau auf dem Burghof Brodhecker

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