Eventbericht – Hengstschau auf dem Gestüt Schafhof

Ein neugieriger Blick hinter die Kulissen inkl. Überraschungsgast

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Schon wieder ne Hengstschau? Manch einer mag sich denken, ich werde morgen verkünden, dass ich unter die Züchter gehe. Bislang ist es nicht der Fall und nicht geplant. Es ist viel mehr Neugierde und Wissbegierde, mehr über die Pferdewelt zu erfahren, die mich umgibt. Nicht nur, weil ich zu manchen Veranstaltungen schnell mal hin fahren kann, sondern auch weil manches Wissen mir bei künftigen Entscheidungen helfen kann und sei es nur für den Kauf eines Reitpferdes. Achso, ein neues Pferd ist derzeit ebenfalls nicht in Planung.

Das vergangene Wochenende ging es für mich zum allerersten Mal auf den Schafhof zur Familie Linsenhoff-Rath in Kronberg. Ich glaube den Namen muss man nicht vorstellen? Den meisten Reitern und Pferdeleuten wird dieser bekannt sein und die vielen großartigen Erfolge in der Vergangenheit sowie die Jahre mit den Skandalen und Enttäuschungen bleiben weiterhin im Gedächtnis.

Ich muss gleich vorab dazu erwähnen, die ganzen Dramen habe ich damals nur am Rande mitbekommen (wobei der mediale Megahype groß genug war, um auch von Nicht-Reitern bemerkt zu werden) und manche Artikel und Videos habe ich erst viele Jahre später angesehen. In den Totilas-Jahren hatte ich den Reitsport an den Nagel gehängt, genauer gesagt von 2009 bis 2014 und mich ziemlich über die ganze Rollkur-Diskussion erschrocken, als ich mich dann wieder mit dem Reitsport beschäftigte. Vieles was heutzutage im Reitsport abgeht verdient definitiv Kritik, anderes ist aber total übertrieben und eher dummes Geplapper von Leuten ohne Ahnung oder die ganz grundsätzlich ein anderes Verständnis vom Reiten haben, oder dies sogar ablehnen.

Um mal mehr zu sehen, als das was auf Turnieren zu sehen ist oder im Internet geschrieben wird, nahm ich die Gelegenheit wahr und meldete mich für einen Besuch beim Züchtertag an. Man kann dort übrigens nicht einfach so wie bei den anderen Hengstschauen auf dem Tannenhof und Burghof vorbei spazieren, sondern muss sich offiziell anmelden und wird am Eingang kontrolliert.
So fuhr ich bei schönstem Sonnenschein zum Gestüt Schafhof hin und war sofort von der Anlage beeindruckt. Ein wunderschöner gepflegter Park, mit Springbrunnen, Teich und Pferdestatuen empfängt die Besucher. Wohl hatte ich schon Videos gesehen, aber selbst dort herum zu spazieren ist etwas anderes. Ich war rechtzeitig vorher hingefahren, so dass ich eine Runde über die Anlage laufen und die drei Pferdestallungen sehen konnte. In einen durfte man auch hinein und es standen zumeist junge und nicht bekannte Pferde in den Boxen. DSC00283_1
Die Abstammungen der Pferde waren hingegen mit bekannten großen Pferdenamen gesät, die ich alle schon mal gehört hatte, auch wenn ich nur als Hobbyreiter unterwegs und kein Züchter bin. Hinter den Stallungen und einem Reitplatz liegen weitläufige Koppeln, die einen tollen Blick auf den Taunus geben. Naja, was soll ich sagen, die Anlage ist traumhaft.
DSC00265_1Noch mehr beeindruckt hat mich die Ausstattung des Gebäudes angrenzend zur Reithalle. Die Wände sind voll mit Plaketten vergangener Erfolge und in der Reithalle hängen olympische Fahnen, sowie Vitrinen mit Pokalen. Aus einem Video weiß ich, das dies nur ein kleiner Teil ist. Im Wohnhaus gibt es noch viel mehr davon, es ist ein Haus mit olympischen Medaillen, wenn auch nicht mit ganz so vielen, wie ursprünglich geplant.

DSC00267_1Die Historie der vielen Erfolge ist einen großen Respekt wert und schafft bestimmt einen enormen Druck auf die junge und inzwischen vierte Generation. Die Tochter Marie hatte ich bisher nur ein einziges Mal live reiten sehen und zwar mitten in der Frankfurter Innenstadt auf einem Pony. Das ist ein paar Jahre her und war reiner Zufall, weil ich dort gerade einkaufen war. Inzwischen reitet sie Großpferde und ist im Kader, logisch könnte man sagen, aber selbst mit besten Bedingungen und tollsten Pferden, selber reiten muss sie trotzdem. Ob sie eines Tages die großen Erfolge der Linsenhoff-Frauen wiederholen kann, bleibt abzuwarten.
Auf den Spuren der Vorfahren ist die Familie auf jeden Fall mit der Zucht, denn alles begann mit einer Vollblutzucht des Urgroßvaters und ich erfuhr, dass die treibende Kraft hinter dem Gestüt inzwischen Matthias Rath ist und nicht die Eltern. Seit vier Jahren gibt es die Hengststation und die steigenden Besuchszahlen, zeigen ein hohes Interesse daran. Die Halle war voll und ich fand zum Glück ein freies Plätzchen. Clipmyhorse war auch wie auf dem Tannenhof dabei und als Moderatoren waren der Gastgeber Klaus-Martin Rath und Hendrik Schulze Rückamp tätig.

Auf der Veranstaltung wurden folgende Pferde gezeigt:

 

Praktisch war die große Anzeigentafel, auf der man die wichtigsten Fakten über das jeweilige Pferd sehen konnte.

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Die gezeigten Pferde sind allesamt Spitzenklasse und auffällig war ein gereifter Foundation mit Matthias Rath, ein fein gerittenem Thiago von Eva Möller und in höheren Lektionen vorgestellten Don Frederic durch Holga Finken.
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Was man so hörte, vor allem später in der Stallgasse , dass Destacado als auch ein super Hengst beeurteilt wurde und man hofft, noch viel von ihm zu hören. Ein Mann meinte neben mir, ihm habe Discover am besten gefallen und er ist der Meinung, er sei eins der derzeit besten Nachwuchs-Dressurpferde auf dem Markt. Demnächst ist eine Auktion auf der er versteigert wird. Da bleibt abzuwarten, ob er als ein Ausnahmetalent künftig in gute fördernde Hände kommt.
Mit persönlich haben Thiago und Destacado am besten gefallen.

Zwei Fohlen wurden ebenfalls gezeigt und Bretton Woods kam an der Hand rein, was vielleicht gut war, denn er gebärdete sich sehr aufgeregt und vermutlich an der Leinwand lag, auf der seine Nachkommen im Film gezeigt wurden.
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Als Überraschungsgast wurde dann tatsächlich der berühmte Hengst Totilas hereingeführt. Die Zuschauer waren ziemlich baff und zückten gleich ihre Smartphones, um den Moment festzuhalten und vielleicht auch manch Ungläubigen Beweismaterial zeigen zu können. Der zehn Millionen teure Hengst!

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Er sah gut aus, natürlich ist er ein nicht mehr ein so junges Pferd wie zu seinen Turnierzeiten, aber alt kann man ihn noch nicht nennen. Er war relativ gelassen und nicht sonderlich beeindruckt von der Leinwand auf der er bei seinem Ritt mit Matthias gezeigt wurde. Auch sein Sohn Thiago, der mit ihm in der Halle war, beunruhigte ihn nicht. Es war wirklich ein besonderer Moment, Vater und Sohn zusammen zu sehen.

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Die Hauptattraktion für mich persönlich war dann der Besuch bei ihm im Stall. Der Stalltrakt über dessen Eingang die olympischen Ringe hängen, wurde für Besucher geöffnet und man konnte sich den Dressurkrachern der Familie leibhaftig nähern. Die Boxen waren selbstverständlich alle geschlossen und manch ein Besucher fingerte zwischen den Gitterstäben nach den Pferden, um sie anzufassen.

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Wenn man in den Stall reingeht, steht in der ersten Box der 1995 geborene Sterntaler Unicef und anhand eines Planes sah es so aus, als ob er von Ann-Kathrin Linsenhoff noch geritten wird. Warum auch nicht, wenn das Pferd in dem Alter fit ist bzw. es dadurch bleibt. Sie reitet laut Plan drei weitere Pferde, die noch jung sind und von Totilas abstammen. Wer sonst alles welche Pferde reitet, konnte ich nicht sehen und ist eine interne Sache.
Weiter gings durch den Stall, die Menschen schoben sich fast hindurch so voll war es! Ganz hinten sammelten sie sich und standen neugierig vor der Box von Totilas. Fotos vom Pferd wurden gemacht, am liebsten Selfies mit Pferd im Hintergrund, von jung bis alt, weiblich wie männlich. Totilas hat viele Fans.
Dieser mümmelte etwas am Heu rum, versuchte aus dem hohen Fenster zu gucken, wieherte und drehte sich in der Box umher. Die vielen Menschen guckte er nur beiläufig an. Die Pferdepflegerin versuchte ihn immer wieder vor an die oben offene Boxentür zu locken, damit die Besucher ihre Fotos machen konnten. Später zog sie ihm ein Halfter an, damit er vorne blieb. Manche Menschen hatten gar keine Scheu, sondern packten seinen Kopf am Halfter, damit er schön still hielt, wenn das Foto geschossen wurde, denn es war relativ dunkel und die Fotos waren leider deshalb teilweise unscharf oder unterbelichtet.
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Okay, ja ich habe ihn auch angefasst, aber nur mal kurz über die Nase gestreichelt. Einmal ein Pferd berühren, das so warnsinnig teuer war. Hatte ein bisschen was von Kronjuwelen aus dem Königshaus anfassen. Wann darf man sowas schon?! Lebendige Geschichte diesmal aus der Reitsportwelt, mit ganz schön viel Trubel!

Als die Menschmassen weniger wurden, probierte ich noch mal ein paar Fotos zu machen. Totilas schaute diesmal mich genau an und war plötzlich neugierig. Vielleicht grade weil ich nicht auf ihn hin drängte, um ihn anzufassen. Ein Fotograf hinter mir meinte, er wäre ja auch echt schwer zu fotografieren mit dem schwarzen Fell. Als mein Schnappschuss im Kasten war, ging ich weg und beobachtete aus der Entfernung das Treiben. Neben mir stand der Pferdepfleger, der ihn in der Halle gezeigt hatte und wir quatschten ein wenig, er sprach nur Englisch und auch um uns herum wurden viele verschiedene Sprachen gesprochen. Sehr international die Besucher.
Ich erfuhr vom Pferdepfleger, dass Totilas nur zu Besuch hier war, um ihn bei der Veranstaltung vorzuführen. In paar Tagen steht er wieder bei Paul Schockemöhle auf der Deckstation und wenn die Decksaison vorbei ist, dann kommt er wieder nach Kronberg, um den Winter hier zu verbringen. Ob er noch geritten wird, wußte er nicht. Turnierstarts sind eh Geschichte und seine Nachkommen werden auf der ganzen Welt ihre Dressurkarrieren machen.

Ein Totilas-Fohlen das wärs doch?! Das nächste Pferd wird wahrscheinlich eine Stute, aber sicherlich keine von Totilas, die sind mir zu teuer. Man könnte sich mal bei der Verwandtschaft von ihm umsehen. Bei der väterlichen, er ist ein halber Trakehner, genau wie mein Pferd. Muss mal recherchieren wer der nächste Verwandte ist.

[Beitrag enthält unbezahlte Werbung und Verlinkungen ohne Beauftragung dazu.]

3 Gedanken zu “Eventbericht – Hengstschau auf dem Gestüt Schafhof

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