Eventbericht – Freispring-Cup auf dem Gestüt Hörstein

Wie könnte es anders sein, eine Hengstschau war auch dabei!

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Den Karfreitag vor Ostern war ich wieder auf einer Pferdeveranstaltung, diesmal war es keine reine Hengstschau, sondern viel mehr ein Freispring-Cup. In all meinen Reiterjahren hatte ich noch nie eine solche Wettbewerbsveranstaltung besucht und dachte, es wäre eine gute Gelegenheit zugleich auch mal seit langem wieder ein Trakehner-Gestüt zu besuchen.

Das Wetter war herrlich, auf der Autobahn wenig los und ich machte mich auf den Weg dahin bepackt mit meiner neuen Kamera, um diese nach den beiden Veranstaltungen, dem Signal-Iduna-Cup in Dortmund und der Hengstschau auf dem Schafhof weiter auszuprobieren.
Das Gestüt Hörstein liegt an einem Berghang in Alzenau und man hat von dort oben eine herrliche Aussicht auf die Mainebene, alleine deswegen lohnt sich die Fahrt dahin und man kann in der Gegend bestimmt schöne Wanderungen machen.
Die heutige Veranstaltung hatte Vormittags für die Teilnehmer begonnen, für die Zuschauer gings erst so richtig mit der Vorführung der Hengste los. Ich lief in die Reithalle hinein und wollte mir einen Sitzplatz suchen, leider stellte ich fest, dass alle Plätze, sogar die Treppenaufgänge und der Eingangsbereich voll mit Menschen war. Ich war darüber sehr erstaunt. Beim großen Eingang in die Halle gab es linker Hand noch mal eine kleine Tribüne, die ebenfalls rammelvoll war. Wo nun hin? Heimfahren wollte ich ungern, also stand ich eingequetscht auf dem Teppenaufgang und konnte beim Blick neben zwei Leuten hindurch etwas von der Reithalle sehen. Bequem war das nicht gerade und Fotos machen war nicht einfach, teilweise war der Ärmel oder Rücken von den beiden Leuten drauf. Ich hielt es trotzdem aus, denn es war mir einfach zu wichtig, jetzt die Hengste zu sehen.
Damit man von den Menschenmengen keine falsche Vorstellung bekommt, ich denke es waren gerade Mal vielleicht an die hundertfünfzig Leute da. Bei Linsenhoffs sollen es um die 500 gewesen sein und ich denke auf dem Tannenhof waren es mindestens genauso viele, auf dem Burghof vielleicht die Hälfte. Wir reden hier also von einer eher kleinen Zuschauermenge, die eher ein vertrauter Kreis von starken Trakehnerfans ist. Ich bemerkte im Laufe der Veranstaltung, dass sich wohl einige untereinander sehr gut kennen und man könnte schon sagen, dass es familiär zuging. Dieser gute Zusammenhalt wurde auch vom Moderator betont, dass die Mitarbeiterfluktuation von allen Gestüten, die er kennt, in Hörstein am niedrigsten ist. Das gleiche gilt für die Pferde, aber dazu später.

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Als erster Hengst wurde Touch my heart reingebracht und der Sprecher Matthias Werner verkündete, dass dieser Hengst etwas ganz besonderes darstellt mit seinem hohen Blutanteil.

DSC00557_11Danach kam E.H. Cadeau hinein und wirkte bei weitem imposanter und muskulöser. Von ihm gibt es einige Nachkommen und für Trakehner-Verhältnisse ist er ein sehr gut frequentierter Deckhengst.

DSC00561_11Der dritte Hengst war Couracius, bei ihm wurde betont wie schade es sei, dass er nicht mehr Stuten bisher bekommen hat und man hofft auf mehr Interesse, allerdings braucht er wohl großrahmige Stuten.

DSC00607_11Als vierter Hengst wurde E.H. Sixtus herein geführt, er ist bereits 29 Jahre alt und eigentlich in Rente, wobei er noch ziemlich fit wirkte. Nächstes Jahr wird Jubiläum gefeiert.

DSC00614_11Als nächstes kam der Hengst Speedway mit Kim Pfeiffer hinein, nicht an der Hand, sondern unterm Sattel. Er ist wie Sixtus Reservesieger geworden und der Sprecher bemerkte, dass so manch ein Zweitplatzierter im Nachhinein erfolgreicher war als der Sieger. Speedway gehört mit einem Verkaufpreis von 170k€ nicht gerade zu den günstigsten Hengsten, für das Geld muss er künftig einige Stute beglücken, damit es wieder reinkommt. Bei einem der Hengste, ich glaube es war Cadeau, wurde gesagt, er habe 60 Bedeckungen pro Jahr (?). Bei einer Decktaxe von 750€ müsste der Hengst Speedway 227 Stuten decken, damit der Kaufpreis theoretisch drin wäre, von Haltungskosten, Beritt, usw. mal ganz abgesehen. Bei einer so hohen Bedeckungsrate wäre das nach vier Jahren drin. Nur in der Realität haben die meisten Trakehner-Hengste nicht so viele Bedeckungen im Jahr, sonst würde es viel mehr Fohlen geben. Die jährlichen Bedeckungszahlen liegen wohl unter 1500 und bei weit mehr als 100 aktiven Trakehner-Hengsten, bedeckt vemutlich der durchschnittliche Hengst wenns hoch kommt 10 Stuten. Damit läßt sich ein solcher Kaufpreis erst nach zwei Jahrzehnten refinanzieren. Das war jetzt nur mal ein gedanklicher Exkurs, ob sich ein Hengst wirtschaftlich lohnt. Ich vermute, bei anderen Warmblutrassen wird das leichter möglich sein oder der Hengst ist noch für andere Zuchtverbände zugelassen.

DSC00654_11Nach den Hengsten an der Hand, wurde geschwind eine Sprungreihe aufgebaut und der Hengst Tarison kam rein, um auch einen Vererber für die Springpferdezucht vorzustellen.

Nachdem die Hengstvorführung vorbei war, verließen einige Menschen ihre Sitzplätze, was mir zum Glück die Gelegenheit gab, mich auf die Tribüne zu setzen. Gleich weiter ging es mit dem Freispring-Cup und die erste Gruppe waren junge Pferde von 3-4 Jahren. Das beste Pferd der Gruppe war ein vierjähriger brauner Hengst von Marseille, der von den Richtern sehr gut benotet wurde und die Besitzerin für ihre Erziehung gelobt wurde. Ihn kann man übrigens derzeit kaufen (ehorses), die meisten anderen Pferde waren unverkäuflich.

DSC00688_11Überraschend gut sprang eine Schimmelstute von von Bonaparte AA, die optisch nicht so ganz nach Trakehner aussah und nicht gerade herausgeputz war. Hätte jemand gesagt, das ist eine Holsteinerstute, hätte man es wohl auch geglaubt. Der Vater ist sogar für Holsteiner und Hannoveraner zugelassen. Bei dem Freispring-Cup durften natürlich nur Pferde mit Trakehner-Abstammung teilnehmen.
Zweibester Springer war bei der ersten Gruppe ein schöner Fuchswallach von Waitiki, den Name hatte ich mehrfach schon gelesen und ich glaube, wer sich über Springpferdezucht bei den Trakehnern informiert, kommt um den Hengst nicht herum. Leider lebt er nicht mehr.
Die anderen jungen Pferde sprangen alle ganz ordentlich, aber nicht auffällig gut, eine Stute von Hirtentanz war mit drei Jahren doch noch recht jung und hatte nicht die Kraft für all die Springerei. Eine Stute von Chiron XX fand ich recht intelligent, sie kapierte sofort was Sache ist und wo es lang geht und sprang sehr freiwillig. Ein Wallach von Schwarzgold wirkte gut vorbereitet, doch eins seiner Vorderhufe wirkte so lose und er schmiss ihn auffällig nach vorne, allerdings was das Pferd ausgesprochen hübsch. Als letztes Pferd startete ein Wallach von Lehndorff, der leider wie das erste Pferd ziemlich verschwitzt war und seine Konditionsschwäche vielleicht einem mangelnden Training geschuldet ist. Die ganze Prüfung, wenn auch ohne Reiter ist für ein Pferd definitiv anstrengend, auch wenn es nach jeder Reihe eine Atempause gibt.

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Nach der Siegerehrung bin ich raus aus der Halle und schaute mich ein wenig um. Hinter der Reithalle lag ein Sandplatz auf dem sich ein paar Jungpferde austobten. Durch das große Tor hindurch, gab es einen Innenhof in dem es Essen gab und die Stallgebäude lagen. Ich lief hinter und entdeckte einige sehr süße Jungpferde, die aus ihren Laufboxen heraus schauten.

DSC00872_11Auf einem großen Sandplatz in der Mitte der Anlage standen einige Stuten, darunter fielen zwei auf, die sehr alt aussahen. Ich erfuhr, dass das Gestüt selbst die Stuten behält, die schon lange keine Fohlen mehr bringen und eben bis es nicht mehr geht, in der Stutenherde behält.

imageEinen kurzen Blick warf ich auch in den Hengststall hinein und war überrascht, dass diese in ganz normalen Gitterboxen standen, so dass die Hengste direkt ihren Boxennachbar sehen und beschnüffeln können. Es gab keine meterhohen Trennwände, wie auf den anderen Hengststationen. Eine ewig lange Ahnentafel zog ebenfalls meine Aufmerksamkeit auf sich.

Als ich zur Reithalle zurück kam, hatte die zweite Gruppe schon begonnen und es war zum Glück noch weniger los, was mir wieder einen freien Sitzplatz bescherte. In der zweiten Gruppe zeigten Pferde ab fünf und älter ihr Springvermögen. Mein Favorit war eine Stute von Songline, die sehr schöne Gänge zeigte und es war ein wenig verwunderlich warum bei den Erfolgs-Bemerkungen keine Dressurprüfungen aufgeführt waren. Am besten sprang eine Stute von Hirtentanz, was damit die Vererbungskraft des Vaters gut belegte, leider war sie sehr klein und wohl damit eher ein Jugendpferd. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass der junge Mann, der sie vorstellte, auch auf ihr ritt.

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Ein Mann betonte lautstark, dass Trakehner sehr wohl springen können, was andere im Publikum gleich bekräftigen, wer würde denn auch das Gegenteil behaupten?! Dazu sagte niemand was. Wenn man sich allerdings auf Turnieren umsieht, sind mir persönlich sehr wenige Trakehner in Springprüfungen merklich aufgefallen, international wie regional. Diese namhaften Stars, von denen man in der Presse liest, gibt es irgendwie nicht. In den aktuellen Top50 auf Rimondo steht kein einziger Trakehner. Meistens sieht man sie bei der Dressur oder in der Vielseitigkeit. Das verbandseigene Talentsichtungsprogramm hat laut Webseite für 2018 keine Termine für die Springpferde drin. Als Außenstehender sieht das für mich nicht danach aus, dass man sich bei den Trakehner nach Springpferden umsehen sollte oder man hält die Schätze versteckt? 😉

Ich hatte mich später mit einem der Prüfungsrichter unterhalten, ob der Vater meines Pferdes, der auch in S-Springen gelaufen ist, denn so ein schlechter Hengst war oder warum so wenig Nachkommen von ihm in Deutschland zu finden sind. Ich wurde darüber aufgeklärt, dass es einfach zu viele Hengste gibt und für die Wahl oft weniger das Talent, als vielmehr das Marketing entscheidend ist. Je nach Höhe des Kaufpreises treibt es den Besitzer vermutlich dazu, sofern man nicht gerade vermögend ist, Maßnahmen zu ergreifen, die wieder Geld in die Kasse spülen. Er betonte ausdrücklich, dass die Anzahl der Nachkommen nicht unbedingt mit der Qualität eines Hengstes zusammen hängt.
Nun denn, dann besitze ich als Freizeitreiter ein Pferd mit seltenen womöglich guten Springgenen, die zumindest in Deutschland in der Trakehnerzucht verebben werden und zudem bin ich ein nicht mehr springender Freizeitreiter. Also von uns beiden wird das wohl leider nix mit Erfolgsmeldungen der Nachkommen.

Nach der zweiten Siegerehrung bin ich noch mal hoch zu den Ställen, denn ich hatte mir beim ersten Durchlauf nicht alles angesehen. Die Stutenherde stand wie gehabt auf dem größten Sandplatz draußen und auf einem eher matschigen Auslauf ganz hinten wurden neue Pferde raus gebracht, auch eins, das vorher noch am Wettbewerb teilgenommen hatte, was man an der Mähne gut erkennen konnte.
Ganz hinten in der Ecke des Hofes standen zwei dicke Haflinger und kurz davor gab es einen offenen Laufstall, den ich beim ersten Gang über das Gelände nicht beachtet hatte. Dort ging ich hin und entdeckte ein Pferd, das mir gleich gefiel. Es war ein junger Wallach, er blickte mich sehr direkt an und freute sich über die Aufmerksamkeit. Eigentlich fasse ich in fremden Ställen keine Pferde an, aber er reizte mich dann doch und einmal über die Nase streicheln, um zu fühlen wie er reagiert, wollte ich schon. Seine Kollegen drängten prompt näher, die er gleich auf Abstand hielt, indem er die Ohren anlegte und nach ihnen schnappte. Zu mir blickte er sofort wieder erwartungsvoll mit gespitzten Ohren hin. So ein dominanter Schlingel!

Ich glaub, wenn ich eines Tages wieder auf Pferdesuche sein sollte, würde ich mich bestimmt hier umsehen. Warum nicht ein Pferd direkt vom Züchter kaufen und nicht von privat?! Irgendwie hatte ich das damals vor knapp drei Jahren, nicht auf dem Plan gehabt. Andererseits wollte ich ein gerittenes Pferd und kein ganz junges. Auch weiß ich derzeit nicht, ob ich mir wirklich einen Trakehner kaufen würde. Ich habe zwar ein Pferd, das zumindest ein halber ist, doch das war damals keine gezielte Suche nach einer bestimmten Rasse. Dennoch habe ich ein klitzekleines Faible für Trakehner. Warum? Ich glaub, dafür schreibe ich mal einen eigenen Beitrag.

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