Eventbericht – Thüringeti Pferde-Auktion in Crawinkel

Und führe mich nicht in Versuchung!

87C4D121-5CEB-4637-8D62-7734504A67C9Am Tag der deutschen Einheit ging es für uns Wessis auf den Weg nach Ostdeutschland, genauer gesagt nach Thüringen in die Thüringeti. Über den Namen wird sich so manch einer wundern, er ist in der Tat eine Anspielung auf die afrikanische Serengeti.

7080540D-2ACC-482A-81A6-94AF40C77ED1Auf einer riesigen Fläche wird eine extensive Tierhaltung betrieben und wenn man die weite Landschaft sieht, könnte eine gewisse Ähnlichkeit bestätigt werden. Nur gibt es in der Thüringeti keine Zebras sondern vor allem viele Warmblüter, also Pferde. Es gibt zudem einige Koniks, die noch „Zebrastreifen“ an den Beinen tragen, aber das wars auch schon mit Wildform-Equiden. Richtige Wildpferde findet man in Crawinkel, so heißt der Ort, gar nicht, auch wenn das ein wenig das Klischee ist. 

Anhand der Abstimmung auf Instagram nehme ich an, viele wissen gar nicht was es mit der Pferdehaltung in der Thüringeti auf sich hat. Auf der Webseite des Betreibers gibt es einen sehr schönen Informationsfilm (https://www.agrar-crawinkel.de/thueringeti.html) und auf YouTube gibt es noch weitere, dadurch bin ich vor knapp drei Jahren aufmerksam geworden. Dieses Jahr wollte ich mir endlich mal die Auktion ansehen, über die in manch einem Pferdeforum schon intensiv diskutiert wurde. 

Die Pferde leben zum Großteil völlig frei und ganzjährig auf den riesigen Weideflächen. Sie bekommen dort ihre Fohlen und die Bedeckung findet ohne menschliches Zutun statt. Dazu werden in die verschiedenen Stutenherden sogenannte Weidehengste dazu gestellt. Einige der jährlich geborenen Fohlen kommen in die Auktion, andere werden erst zwei-, drei- oder vierjährig verkauft. Letztes Jahr gab es auch ältere Stuten zum Verkauf. Manche der Mutterstuten sind bereits in der Thüringeti geboren, andere wurden dazu gekauft. Die Hengste sind alle dazu gekauft. 

FBED56FC-236E-406B-BADC-211B0140BBF4Die Auktion fand 2018 nun zum fünften Mal statt und ich war das erste Mal dabei. Im Internet hatte ich mir schon kurze Filmclips von der Auktion angesehen und wußte so in etwa was einen dort erwartet. 

Die Pferde werden bei der Auktion zu sehr günstigen Preisen abgegeben, was sicherlich so manche Schnäppchenjäger anzieht. Ich denke, es ist wichtig zu betonen, dass man hier keine fertigen Reitpferde kauft, sondern fast nur rohe Pferde. 

Das wurde eingangs vom Auktionator ausdrücklich betont, man kauft keine Olympiasieger, sondern muss sie sich selber dazu ausbilden. Auch kauft man nur was man sieht, es gibt keine AKU, kein Probereiten und gewiss kein Probekauf.

Die Auktion läuft so ab, dass man sich vorher registriert und sich eine Bieternummer abholt, mit dieser bietet man während der Auktion durch hochhalten auf das jeweilige Pferd. Wer sich nicht registriert hat, darf trotzdem mitbieten und muss die Registrierung eben später nachholen. Sogenannte Spotter helfen dem Auktionator die Bietenden zu zeigen. Bei ihnen muss man sofort auf Tablets unterschreiben, um den Kauf zu bestätigen. Nach Ende der gesamten Auktion kann man dann nach Bezahlung das Pferd abholen oder zur Aufzucht dort lassen, wie man möchte. Eine Kastration vor Ort ist ebenfalls möglich.

Was nicht angeboten wird, ist ein Beritt oder überhaupt eine intensivere Ausbildung. Die allermeisten Pferde sind roh. Das bedeutet, sie würden vom hofeigenen Ausbilder schon angefaßt und manche Sachen wie Hufe geben und verladen werden geübt. Vom Pflegezustand nach zu urteilen, hat ihnen jemand definitiv die Mähne geschnitten. Wie gut sie sich allerdings auch anbinden oder führen lassen, ist mir nicht bekannt. Nach der Auktion war ich in den Stallungen und bis auf drei Pferde waren alle sehr scheu und wollten nicht berührt werden. Bei der diesjährigen Auktion gab es nur ein Pferd, was schon etwas mehr gelernt und mal einen Sattel aufgelegt bekommen hatte. Das ist die Ausnahme. Ein paar Wallache waren dabei, was ebenfalls wohl nicht bei allen männlichen Pferden gemacht wird, die meisten sind Hengst. Man kauft sich also kein totales Wildpferd, das gerade erst eingefangen wurde, sondern eins das paar Wochen Menschenkontakt hatte, aber noch sehr scheu ist. Gleich mal knuddeln und losreiten ist nicht.

18D9D1C6-C904-42C6-ADDD-94BEA7467C52Vielleicht stellte sich deshalb, um das den Besuchern noch mal deutlich zu machen, zu Beginn eine Trainerin vor, die auf einer vorigen Auktion eine Stute gekauft hatte und sie selber ausbildet. Ihr Ausbildungskonzept startet mit ganz viel Bodentraining und zu Beginn erst einmal gebisslos, später dann auch mit Gebiss. Die vorgestellte Stute war dreijährig und bereits an den Reiter gewöhnt, das heißt alle Gangarten und einen kleinen Sprung unter dem Sattel kannte sie. Beachtlich war die Gelassenheit, die Trainerin hatte sie an Flaggen, Regenschirme und sonstige Dinge am Boden gewöhnt. Das klappte alles auch vor Zuschauern. 

Die Trainerin betonte auf die Frage, was an den Thüringeti-Pferden denn besonders wäre, wie gut sie ihre eigene Körpersprache kennen und die von Menschen lesen können. Sie sind überaus fein und sehr sensibel. Heftige plötzliche Bewegungen führen leicht zu scheuem Verhalten. Sie selbst lernte sehr viel von der Stute. Wir Menschen sind oft unklar und sie verstehen uns nicht, dann kann es passieren, dass sie selber entscheiden und nicht auf den Menschen hören, obwohl es unabdingbar ist, als Mensch das Leitpferd zu werden. Ihre Stute steht übrigens zum Verkauf, bei der Auktion lief sie natürlich nicht nochmal mit. Die Trainerin bietet an, Pferde zur Ausbildung zu sich zu nehmen und kommt aus der Gegend von Marburg.

E7405076-33BB-4742-9610-F9DC5EB85D43Los ging es mit der Auktion und als erstes kamen Freiberger in den Ring. Den Auktionskatalog findet ihr hier: https://www.agrar-crawinkel.de/fileadmin/uploads/Auktionskatalog_2018.pdf

Der Startpreis lag bei 800€ bei älteren Freibergern und für Fohlen bei 500€. Als lokale Besonderheit gab es weißgeborene Freiberger, die von einem solchen Hengst abstammen.

Die Preise für die ersten sechs Pferde lagen zwischen 500€ und 1500€. Das teuerste Pferd hatte eine Sonderfarbe und war deshalb vermutlich den Bietern mehr wert. Für zwei Pferde meldete sich niemand aus dem zahlreichen Publikum, der bereit war überhaupt den Startpreis zu bezahlen, was mich sehr erstaunte. Später meinte sogar jemand, die Einstiegspreise wären zu hoch. Naja, das kann jeder sehen wie er will.

9994955D-5F86-42D6-BC21-E8B54538AE3ADie jungen Hengste von zwei bis drei Jahren wurden ab 1500€ verkauft. Die erzielten Verkaufspreise gingen bis zu 2800€, wobei das teuerste Pferd das eine war, das durch Yvonne Gutsche angeritten und schon kastriert war. Das andere zum gleichen Preis hatte am Tag vorher beim Freispringen einen Eindruck der Extraklasse gemacht. Die meisten männlichen Jungpferde gingen für Preise um die 2000€ weg und acht wurden gar nicht verkauft. 

Wobei man sich bei den vielen braunen Pferden, die alle noch im Wachstum sind, verständlicherweise etwas schwer tat, eine zukünftige Beurteilung zu treffen. Es gab welche, die waren bestimmt schon größer als 1,70 und andere waren maximal 1,60 groß, aber wohin sie einmal wachsen, ist ein ziemliches Überraschungspaket. Bei den Hengsten war nur ein Pferd dabei, der mir ganz gut gefiel, ausgerechnet dieses wurde nicht verkauft. Ich hätte also ein Schnäppchen für 1500€ machen können. Später schaute ich ihn mir im Stall an und war dann eher froh, ihn nicht gekauft zu haben. Nicht, dass er schlecht wäre, aber so richtig sprach er mich dann doch nicht mehr an. Es ist schon schwer, ein Pferd im Vorbeilaufen innerhalb von einer Minute so gut beurteilen zu können, damit man sich sicher ist, es auch wirklich zu wollen. Irgendwie müsste es sofort Klick machen.

Bevor die jungen Stuten dran kamen, wurden zwei Ponies für gerade mal 600€ und 750€ verkauft.

Die Stuten hatten wieder 1500€ als Mindestgebot. 24 Stuten kamen in den Verkaufsring, worunter eine kräftige Freibergerstute war, die mir ihrer Blesse sehr hübsch wirkte, sie wurde ab 800€ angeboten und für 1500€ verkauft. Der Auktionator scherzte herum, dass man eine solche Freibergerin in der Schweiz nicht für unter 10.000 Franken bekommen würde. Da kann ich nichts dazu sagen, aber man hört ja eher von Schlachtpferdefreibergern als von teuren Spitzenpferden.

140E43E7-FE70-4DC1-80B5-8344852ACDF2Der Preis für die teuerste Warmblut-Stute endete bei 3400€, was sicherlich ein Schnäppchen ist, denn abgesehen von ihrer eher langweiligen braunen Farbe ohne Abzeichen, hatte sie ausgesprochen gute Gänge zu bieten. Das bemerkten mehrere Leute im Publikum, weswegen sich ein paar Bieter um sie bemühten. Für die meisten Pferde gab es oft nur zwei bis drei Leute, die mitboten, seltener waren es mehr als fünf. Auffällig war, dass manche nur einmal mitboten und bei einer Erhöhung von nur 100€ gleich wieder draußen waren. Der Auktionator fragte dann direkt nach, warum sie nicht weiter mitboten, bekam aber keine Antwort. Mir kam es so vor, dass da manche ganz eng kalkulierten und sich sehr zurück hielten, um ja nicht die Preise nach oben zu jagen. Unter den Stuten waren zwei die mir ganz gut gefielen, die eine wurde für 1900€ verkauft und die andere gar nicht. Leider konnte ich sie später im Stall nicht mehr entdecken. Manche Pferde versteckten sich hinter anderen, so dass man die auf dem Fell aufgesprühten Nummern nicht sehen konnte. Bei den Stuten gingen nur drei zurück und insgesamt lagen die Gebote ein wenig höher als bei ihren männlichen Altersgenossen.

E794BB21-14B4-4CD5-B9C3-6286D12D4EF7Anschließend kamen die Fohlen mit ihren Müttern in den Ring. Da ging sicherlich bei vielen das Herz auf für die süßen Kleinen, dennoch fanden wieder drei keinen Käufer. Ein süßer Fuchshengst darunter gefiel mir ganz gut und später im Stall fand ich ihn noch putziger. Er schaute mich sehr neugierig an, kam aber nicht her. Später lief ein Mann in den Laufstall rein und der Fuchs trat die Flucht an. Wäre wohl gar nicht so einfach, so einen kleinen Wilden erstmal anfassen zu können.

17ADBFF9-73C6-4787-BC7A-CB7DFCD15664Die Fohlen hatten meiner Meinung nach die beste Qualität von allen, da waren ganz tolle Strampler dabei und teilweise in sehr auffälliger Zeichnung. Zwei Fohlen wurden für 4000€ verkauft, mehrere für über 2000€. Drei weitere gefielen mir sehr gut, bei einem war ich nahe dran, den Arm zu heben. Ich glaub, wenn mir mein Freund nicht in dem Moment ein lecker Fleischbrötchen unter die Nase gehalten hätte, wäre meine Hand woanders gelandet. Das hübsche Fohlen wurde für 3000€ an eine junge Frau verkauft. Irgendwie ärgert es mich nun doch, aber ich brauche derzeit kein zweites Pferd und wüßte gar nicht wohin mit so nem kleinen Racker.

6D7D6F0A-9D53-47D8-A61C-325078054ADEAls letzte Gruppe wurden wieder ein paar Ponies, genauer gesagt Exmoorponies und Koniks ab 300€ Startpreis verkauft. Die Preise blieben alle unter 900€. Eins der Koniks wurde für die Aktion ‚Reiter für Afrika’ versteigert, für das man eine Spendenquittung bekam, also im Grunde noch weniger zahlte.

B26AF686-2748-4110-92F0-EAF79DB4DD47Zusammenfassend kann ich sagen, die Fohlen waren besser und teurer als die älteren Jungpferde. Sicherlich ist es nicht für jeden etwas, ein Pferd zu kaufen, welches ziemlich wenig Menschenkontakt hatte und es dann noch ausbilden zu müssen. Mein Eindruck war, dass viele der Käufer meist Pferdehändler oder Ausbilder waren. Später im Stall fielen mir einige ältere Männer auf, die sich bei den unverkauften Junghengsten aufhielten. Sie sprachen wohl tschechisch. Wer weiß, wo die Pferde hin kommen? Die unverkauften Fohlen wahrscheinlich zurück auf die Koppel, die Stuten in die Zucht, aber bei den Junghengsten kann ich mir das nicht vorstellen.

 

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2 Gedanken zu “Eventbericht – Thüringeti Pferde-Auktion in Crawinkel

  1. Interessante Verantstaltung…da wollte ich auch schon länger mal hin, ist von Berlin aus aber ja auch nicht gleich um die Ecke.

    Im Grunde finde ich das Konzept der Thüringeti ja schön – große Flächen, viel Natur und eine weitesgehend unbeschwerte Kindheit. Aber gleichzeitig hinterlässt die Tatsache, dass so viele Pferde trotz der günstigen Preise nicht verkauft werden, einen etwas traurigen Beigeschmack…
    Dass die übrigen Hengste nach Osteuropa gehen (falls Du darauf angespielt hast), denke ich aber nicht. Eigentlich kenne ich eher das Gegenteil, also dass die Pferde günstig aus Polen etc. kommen und dann hier in Deutschland teurer verkauft werden.

    Nichts desto trotz: Vielen Dank für den Einblick in die Auktion!
    Liebe Grüße
    Sarah

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Sarah, vielen Dank für deinen Kommentar. Ob die nicht verkauften Hengste nun wirklich nach CZ gehen (oder welche Sprache das gewesen sein mag?), ist mir nicht bekannt. Es war ja eher das was mich verwundert hat, weil es von ner Gruppe Herren so ein großes Interesse gab und sie sich lange an den Laufställen aufgehalten haben. In der Tschechei braucht man ebenfalls Sportpferde und wenn man nicht bis nach Polen fahren muss, sondern nur nach Thüringen, dann kann ich schon verstehen, warum auch Leute aus Osteuropa vor Ort waren. Liebe Grüße, Kristine

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