Eventbericht – Trakehner Hengstschau in Münster-Handorf

Eine Überraschung und bekannte Gesichter.

64E4B9EA-F073-4768-9469-E83208F583F8Nach Beginn der Trakehner Frühjahrskörung am Vortag fuhr ich Sonntags wieder ins Westfälische Pferdezentrum, um die Ergebnisse zu erfahren und die Hengstschau anzusehen. Die Nacht war kurz gewesen, denn in Hotelnähe musste ausgerechnet an diesem Samstagabend eine Ü50-Party stattfinden, deren Beats man selbst noch bei geschlossenem Fenster hörte. Ich war begeistert und fuhr aus Müdigkeit mit ner guten halben Stunde Verspätung zur Veranstaltung. Diesmal verpasste ich im Gegensatz zu gestern tatsächlich etwas.

6ADC7AB7-552E-4A1F-9A3B-7C37766C1300.jpegZur Körung gehörte die Dreiecksmusterung der Hengste auf dem sogenannten Schrittring und die Sattelpräsentation dazu. Beides war schon vorbei und ich hatte etwas Zeit bis die Ergebnisse verkündet wurden. Ich schlenderte durch die Anlage und mir fiel auf, heute war wesentlich mehr los. Ein riesiges Kuchenbüffet war aufgebaut, einige Merchandiseartikel mit Trakehner-Branding wurden angeboten und ein Haufen Flyer und Broschüren der Hengsthalter lagen aus. Ich nahm einige mit, denn bisher weiß ich nur von wenigen Hengsthaltern bzw. Züchtern und von den meisten bei der Hengstschau angemeldeten Trakehnerhengsten hatte ich noch nie etwas gehört. Ein paar Namen kannte ich selbstverständlich, denn das sind die „Stars“ unter ihnen.

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Die Nachwuchsstars wurden gegen 10 Uhr bekannt gegeben und es war eine kleine Überraschung. Der schicke Cadeau-Nachkomme wurde nicht gekört, der zweite Trakehner von Ivanhoe schon. Eigentlich bin ich von beiden ausgegangen, aber die Kommission war wohl mehr von der Nummer 2 angetan. Dieser bekam damit sein zweites Körurteil, denn er war bereits beim Brandenburger Zuchtverband zugelassen. Später im Stall sprach ich kurz mit der Betreuerin von Hengst Nr. 1. Sie war ziemlich enttäuscht, der Hengst wird nun kastriert und geht in den Sport. 

31FD609F-FFD4-44B2-8E5E-36F7A8E530F6.jpegDas zweite positive Körurteil bekam ebenfalls ein Hengst, der bei den Vollblütern schon gekört ist. Es war der rippige Fuchs! Grund dafür waren seine Gangarten, die deutliche Lernfähigkeit und bisherigen Erfolge. Der Fuchs hatte tatsächlich schon eine Gewinnsumme von über 200.000€ in mehreren Jahren Rennsport erbracht und bewies damit die gewünschte Härte. Die Nr. 4 wurde nicht gekört, was u.a. an einer noch nicht auskurierten Verletzung lag. Man bemerkte beim Publikum keine Begeisterungsstürme im Applaus zu den Körungsergebnissen. Da es eh zuhauf gekörte Hengste gibt, lohnt es wirtschaftlich vermutlich für den Besitzer eher, wenn ein Hengst für mehrere Zuchtverbände zugelassen ist und damit mehr Kundschaft bekommen kann.

Die anschließende Hengstschau zielte genau auf diese ab, neue Interessenten finden, die ihre Deckentscheidung bald treffen werden und vielleicht noch unschlüssig sind, welcher Hengst es 2019 werden soll.

6FDD9529-8D7A-43A2-B29B-8FF046B412E8.jpegUm die Entscheidung zu erleichtern, durfte man auch in die Ställe rein, um sich die Hengste vom nahen anzusehen und mit den Betreuern ein Gespräch zu führen. Im Laufe des Vormittags trafen immer mehr Pferde ein und die beiden Stallgassen waren sehr voll mit Menschen. Abgesehen von manch ein paar aufgeregt rufenden Hengsten, ging es sehr gesittet zu. Manche der Hengste versuchten über die Boxenwand zum Nachbar Kontakt aufzunehmen oder beäugten jeden Vorbeilaufenden mit Argusaugen. Es gab aber kein Gepolter oder durchdrehende Hengste. Manche waren auch wenig beeindruckt und dösten trotz dem Gewusel vor ihrer Box. Vielleicht waren sie noch müde von der Fahrt? 

6E03FB41-8B48-4715-9A42-A4F64AD3E685.jpegLaut Programmheft waren 36 Hengste für die Schau angemeldet und es war ziemlich beeindruckend so viele auf einmal zu sehen. Im direkten Vergleich fiel mir besonders das typische Trakehnergesicht auf. Manche sahen sich auf den ersten Blick unheimlich ähnlich, gerade wenn sie in ihrem schwarzbraunen Winterfell und ohne Abzeichen am Kopf, einer nach dem anderen in der Box standen. Mehr oder minder abwechselnd kamen sie entweder an der Hand oder unterm Sattel zur Schau herein. Dabei wurden noch nicht mal Dreijährige unter dem Sattel gezeigt und manch älterer durfte sich frei bewegen. Man sah von gerade angerittenen bis zur Klasse S ausgebildete Hengste, in der Dressur sowohl im Springen. Der jüngste war noch nicht mal tatsächlich drei und der älteste 1992 geboren. Einer schicker als der andere und von Rappe bis Schimmel alles dabei. Manche richtig groß und muskulös, andere feiner mit langen Beinen oder klein und kompakt. Wer genauer hinsah, bemerkte die Vielfalt und Typabweichungen.

BDA69E86-94F2-4188-8AFE-991B02218348.jpegWenn ich jetzt züchten wollte, wäre ich erschlagen von der Auswahl schöner Hengste. Ich kann schwer sagen, welcher mir nun am besten gefallen hat. Sir Easy und Under and Over fielen mir ein wenig mehr auf, aber ich weiß gar nicht so genau wieso. Kentucky, Ivanhoe und Speedway gefielen mir vom Ausdruck her besser als andere. Ganz schwer zu sagen, wer mich richtig begeisterte.  Vor allem schade, wenn manche nicht optimal vorgestellt wurden und Taktfehler zeigten, weil sie zu eng geritten wurden oder wegen der Atmosphäre ziemlich aufgekratzt waren. Einer der Hengste an der Hand fing sogar an zu steigen. Der Vorführende braucht wohl noch ein wenig mehr Erfahrung mit den sensiblen Trakehnern? Er sagte, es wäre sein Erster, obwohl er ein bekannter und langjähriger Hengsthalter ist.

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Nach der Pause ging es weiter mit den Springhengsten. Dabei wurde die internationale Verbreitung der Trakehner besonders deutlich. Manch ein Hengst kam aus dem Ausland wieder zurück und manch einer ging dahin. Die Trakehnerzucht ist darauf bedacht, frisches Blut zu finden, damit der Genpool nicht noch kleiner wird. Wie man weiß, wurden durch den zweiten Weltkrieg die Trakehner in alle Winde zerstreut und bei einer immer kleiner werdenden Population ist die genetische Vielfalt umso schwerer zu erhalten. Deswegen findet man gelegentlich Anglo-Araber und vor allem viele Vollblüter in den Abstammungen. 

Besonders beeindruckt war ich von einem prächtigen Schimmel namens Göteborg  aus Weißrussland, der eingekauft wurde, um in Zweibrücken aufgestellt zu werden.

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Unter den Springpferden stachen Donauabend und Hirtentanz hervor, weil sie ein paar Sprünge auf S-Höhe zeigten und insbesondere Hirtentanz es mit ziemlicher Leichtigkeit absolvierte. Er ist nur noch 2019 in Deutschland verfügbar und wird in Zukunft in den USA decken.  

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Nach Abbau der Hindernisse kamen wieder Dressur- bzw. doppelveranlagte Hengste in die Halle. Es fiel mir wirklich immer schwerer einen Favoriten auszuwählen. Sicherlich stachen am Ende die beiden Rappen Herakles und Schwarzgold hervor, aber auch ein Scaglietti, von dem ich noch nie etwas gehört hatte, fiel imposant auf. 

BFB4ADD3-3601-487D-BCD4-74C5E379377C.jpegIch wollte jetzt keinen Hengst auswählen müssen, denn ohne zu wissen wie die Nachkommen aussehen, finde ich gleicht das einem Blindflug, insbesondere für einen Zuchtlaien. Als passendes Beispiel dazu wurden zwei Stuten von Niagara gezeigt, beide sahen sich im Gesicht, von der Farbe und der Bewegung her irgendwie ähnlich, wie Geschwister eben, aber die eine war groß und die andere klein. Acht Stuten hat Frau Dr. Söchtig vom Gestüt Elmarshausen von diesem Hengst bei sich, ich glaube so jemand weiß dann wirklich besser einzuschätzen, wie sich ein Hengst vererbt. 

Zu allem kommt entscheidend die Stute hinzu. In der Regel sucht man für diese einen passenden Partner und wohl weniger anhand eines Hengstes die passende Stute, außer man ist Hengstbesitzer. Was man natürlich machen kann, ist die Suche nach einer Stute vom gewünschten Hengst, um dann wieder dazu passend einen anderen auszusuchen. 

76FEB7E5-30DF-4C0A-9890-7CD99F2BC3C3.jpegNach dieser Hengstschau mit sehr vielen Pferden, habe ich nicht vor, mir morgen eine Stute zu kaufen und mit dem züchten anzufangen. Andererseits werde ich mich, wenn es eines Tages soweit sein sollte und ich einen Nachfolger für meinen nun 20-Jährigen suche, anders als bei seinem Kauf, verstärkt bei Züchtern umsehen, die mir jetzt schon von so mancher Fohlenschau als bekannte Gesichter über den Weg gelaufen sind. Ob die Auswahl dann bei Erinnerung an die Hengste, leichter wird, bleibt abzuwarten.

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