Markentreue und Markenbindung in der Pferdewelt

Muss man einem Hersteller treu bleiben? 

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Immer wieder fallen mir Posts auf in denen sich über den scheinbar beliebigen Produkt- bzw. Markenwechsel von Pferdeleuten, insbesondere bei Instagram, beschwert wird und ich muss darüber den Kopf schütteln und kann dazu nur sagen, kommt mal in der Realität an!

Heutzutage stehen wir an dem Punkt bei dem große Instagram- oder YouTube-Accounts selbst im Pferdesport Reichweiten haben, die mit der Auflagengröße von Printmagazinen und den Einschaltquoten von kleinen TV-Sendern vergleichbar sind. Diese machen Werbung für verschiedene Hersteller, je nachdem von wem gebucht wird. So ähnlich entwickelt sich das bei Social-Media.
Sicherlich kann man hier durch den persönlichen Auftritt eines Menschen erwarten, er möge nicht seinen Sendeplatz an den meist bietenden verhökern, sondern steht, wie es typisch für diese Plattform und eigentlich der Auslöser für den Social-Media-Marketinghype ist, auch persönlich hinter den Produkten, um damit die Glaubwürdigkeit in seine Werbeaussagen zu stärken.
Wohlgemerkt, es ist alles freiwillig und wenn jemand Bäumchen-wechsel-dich spielt, vertritt so jemand vielleicht eine andere Maxime, um schlichtweg mehr Geld zu verdienen? Ist das dann noch authentisch oder nur geschäftliches Kalkül genau wie ein TV-Sender, der in der Werbepause konkurrierende Hersteller zeigt? Ist ein bekannter Influencer dabei noch so frei wie ein unbekannter Nobody? 

Ich finde, jeder kann frei entscheiden was und von welcher Firma man sich etwas kauft oder schenken lässt, sofern es etwas umsonst gibt und womöglich nicht an eine Gegenleistung verknüpft ist. Auf Messen sind die kostenlosen Produkte im Grunde wie Streuartikel zu betrachten, da ist nichts mit maßgeschneiderter Auswahl. Die Masse macht’s! Es dient der Markenbekanntheit und nicht der Markenbindung.
Abgreifen ist nicht verboten, es ist die Entscheidung der Firmen wem, wie vielen und wie oft sie etwas geben. Die Kalkulation einer Rentabilität und des im Markenjargon genannten Return-On-Investment (ROI) liegt auf der Unternehmerseite. Weiterhin ist es an der Firma zu überprüfen, mit wem das potentielle Werbegesicht vorher schon kooperiert hat, ob dies direkte Mitbewerber waren und in welchem zeitlichen Abstand es zu dem eigenen Productplacement steht. Solange keine vertragliche Verpflichtung zur ‚Markentreue‘ besteht, verstößt niemand gegen eine Vereinbarung, wenn er ein Konkurrenzprodukt in die Kamera hält.

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Bei Einzelkooperationen ist das im Gegensatz zu Messe-Give-aways natürlich etwas anderes, da möchte eine Firma eine Exklusivität. Das kann man vertraglich festgelegen oder man hofft darauf, dass der gesponserte Kontakt auch nach Ablauf weiterhin ein treuer Kunde bleibt. Wenn jemand öffentlich wirbt und die Produkte in den Himmel lobt, darf man das sicherlich erwarten und eine Enttäuschung ist nachvollziehbar, wenn die Person danach zur Konkurrenz wechselt statt dem Kooperationspartner treu zu bleiben.

Wenn es nicht zur langfristigen Markenbindung kommt, was dann? Liegt es an den opportunistischen nicht authentischen Influencern oder hat die Firma verpasst, eine Markenbindung zu initiieren? Hat das Produkt womöglich nicht überzeugt? Warum ist man manchen Marken auch ohne Vertragsbindung treu und anderen nicht? Geht es manchen Menschen darum die Vielfalt auszuprobieren oder sind sie lieber den Marken so eng verbunden und loyal wie ihren Freunden oder ihrem Partner?

Bei denen, die alles umsonst machen, kann man wie ich finde nicht erwarten, dass sie sich öffentlich binden, wozu auch? Warum soll so jemand kostenlose Werbung für eine Marke machen? Es freut den Markeninhaber gewiss, aber wenn man nicht gerade persönlich befreundet ist, sondern nur anonym miteinander über ein paar Zeilen verkehrt oder gar nicht weiß wer der Firmeninhaber ist, welche Bindung soll sich dadurch entwickeln? Die einzige Antwort darauf ist, weil das Produkt und viele weitere der Marke so stark überzeugen, dass man nicht mehr etwas anderes möchte. Oder weil kein Bedarf besteht, sich nach etwas anderem umzusehen, wenn alles gut funktioniert und man das Bedürfnis hat, dies seinen Followern mitzuteilen. Dies ist dann ein freiwilliger Support, für den eine Firma sicherlich dankbar ist, daraus ergibt sich meines Erachtens kein Anspruch an andere Kunden.

Manch ein Pferdemädchen spekuliert zudem durch kostenlose Social-Media-Werbung für Firmen vielleicht als Partner interessant zu werden und vereinzelt mag das klappen. Bei einigen habe ich sogar den Eindruck, sie sind stolz darauf im „Team“ zu sein und bespülen ihre Stories täglich mit den Produkten aus reiner Überzeugung. Oder naiver Dummheit, weil andere dafür sogar bezahlt werden?!

Gibt es Marken mit denen ich mich verbunden fühle? Sofern „verbunden“ nicht zu viel gesagt ist, eher lässt es sich mit Wiederholungskäufer beschreiben. Welche sind das?

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Auf meinem Account offensichtlich ist meine Treue zu Pikeur/Eskadron. Ich habe mehrere Reithosen und (zu) viele Schabracken, was aber nicht bedeutet, dass ich mich davon abhalten lasse mal gelegentlich zu anderen Marken wie HV Polo und BR zu greifen oder die Reithosen von Ridersdeal zu kaufen, weil ich neugierig darauf war ob man für wenig Geld wirklich eine gute Qualität bekommt. Das juckt Pikeur vermutlich wenig was ich mache, ob ich jemals wieder ein Schabrackenfoto mit großer Eskadonstickerei poste oder einen Suchtiaccount mit Pferdezimmer gestalte. Sie kennen mich gar nicht, denn vieles kaufe ich über ihre Händler. Für die kostenlose Werbung gibt es manchmal bei Verlinkung ein Like auf den Post.

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Genauso sieht es mit Leovet aus, deren Produkte ich ebenso schon lange und gerne kaufe, was nicht bedeutet, mir nicht ebenso etwas von Zedan, Effol oder anderen Marken kaufe oder sogar zum testen zuschicken lasse, wie im Falle von Gustav Optenplatz. Ich kannte manche Produkte aus ihrem Portfolio bereits, andere noch nicht und warum soll ich nein sagen und nichts davon wollen? Weil ich Hufpflegeprodukte nur noch von einer Marke verwende? Warum sollte ich das tun?

Manchmal ist es ganz oberflächlich und es gefällt einem die Verpackung oder das Design nicht, obwohl der Inhalt gut ist, oder die Art der Applikation ist umständlich und es gibt einfachere. Das erfährt man erst im Handling. Wenn danach die Entscheidung zu einem anderen Produkt fällt, liegt das eventuell an einem wiederholt abgebrochenen Griff und gar nicht an dem Produkt selbst.
Bei Futtermitteln entscheidet sogar das Pferd und seine Gesundheit direkt mit. Ich schaue hier gerne über den Tellerrand und informiere mich, ob etwas zu optimieren ist.

Nur weil auf einem Produkt „öko“, natürliche Inhaltsstoffe oder was auch immer drauf steht und ich das gut finde, bedeutet es nicht, dass ich im Bedarfsfall nicht auch zum Produkt „böse“ synthetische Chemie greife, wenn bspw. durch Wetterbedingungen plötzlich in einem Jahr die Mückenbrut zahlreicher ist oder einfach eine andere Wirksamkeit benötigt wird. Dann greifen womöglich viele Leute zum stärkeren Produkt und das milde Biomittel vom letzten Jahr wird dann eben erst wieder in der Nebensaison verwendet.IMG_0179_1_www.equusdomesticus.de

Oder sei es man sieht Angebote, Ausverkäufe, neue Muster und Farben, innovative Materialien oder was auch immer, warum zum Henker soll man bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag das gleiche kaufen? Das ist weltfremd, insbesondere bei Fashion, welche geprägt ist von einem ständigen Wandel.

Ich weiß nicht, warum es leider sogar Firmen gibt, die öffentlich immer wieder ins gleiche Rohr blasen und verlangen man solle einer Marke und Philosophie treu bleiben. Ja, es gibt Leute die unreflektierte Fähnchen im Wind sind, aber es gibt auch Leute, die sich sehr wohl einen Kopf darüber machen was sie nutzen, aber nicht einer diktatorischen Ideologie verfallen und frei sein wollen, das zu nutzen was für das Pferd, den Reiter und die Gesamtsituation gerade das Beste ist.

Entscheidend ist am Ende wofür ich mein Geld ausgebe und nicht was ich vor die Kamera halte. Ich weiß eh nicht, ob ich auf Instagram oder dem Blog überhaupt jemanden zu irgendetwas beeinflussen kann und glaube nach wie vor, die größte Beeinflussung findet durch persönliche Empfehlungen und meist im heimischen Reitstall statt, zu was man greift, wenn man dann vorm Regal im Reiter-Supermarkt steht. 

Man muss nicht immer wieder zur gleichen Marke greifen, man kann. Für mich steht das Wohl des Pferdes über einer Markentreue. Und diese erreicht man nicht durch Posts, in dem man Personen für dämlich erklärt, wenn sie eine andere Marke verwenden als die Woche davor oder Menschen, die eine differenzierte Meinung haben, auf Instagram blockiert.

[Im Beitrag enthaltene Markennennung ist unbezahlt!]

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